Mobilcentrum Lönnies auf dem Weg zur Weltmeisterschaft
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Weltmeisterschaft-Nachbericht

Wie ihr ja wisst, war unser Mitarbeiter Frank vom 22.04. bis zum 04.05. bei der Sledge-Eishockey Weltmeisterschaft in Buffalo (USA).  Da euch natürlich auch interessiert, wie es dort gelaufen ist, hat er einen Bericht über seine WM-Teilnahme verfasst:

Am 22.04. ging s von Hamburg aus über Frankfurt und Toronto nach Buffalo. Dort nach etwa 12- stündiger Anreise angekommen, fielen wir erst einmal müde in‘s Bett.

Einige Stunden später bestritten wir ein Testspiel gegen Norwegen, welches vor allem dafür gut war, die Müdigkeit aus den Knochen zu bekommen. Der Endstand lautete 1:2 aus unserer Sicht, wobei das Spiel sehr ausgeglichen war und wir trotz der kurzen Regenerationsphase ein  sehr gutes Spiel abliefern konnten.

Die Tage darauf nutzten wir für Trainingseinheiten und Ausflüge. Wir waren z.B. an den Niagara-Fällen, die wirklich ein grandioses Naturschauspiel darstellen. Ich kann jedem wirklich nur empfehlen, den Niagara-Fällen einen Besuch abzustatten, wenn man sich dort zufällig in der Nähe aufhält.

Sonntag, den 26.04. ging die WM dann endlich los. Unser erstes Spiel bestritten wir gegen den amtierenden Europameister aus Italien. Die Partie wurde ganz klar von uns dominiert, doch leider verpassten wir es immer wieder, unsere Chancen auch in Tore umzuwandeln.

Den Italienern hingegen reichte ein Sonntagsschuss, um das Spiel mit 1:0 für sich zu entscheiden. Nach dem Spiel waren wir alle natürlich sehr enttäuscht, weil wir ein grandioses Spiel abgeliefert hatten, uns aber leider selbst nicht dafür belohnen konnten.

Am darauffolgenden Tag stand schon das nächste Spiel an. Gegner waren dieses Mal die Gastgeber aus den USA. Wir verteidigten mit vereinten Kräften und versuchten den Amerikanern das Toreschießen so schwer wie möglich zu machen, aber leider setzte sich deren individuelle Klasse (vor allem in Überzahl) immer wieder durch. Der Endstand lautete 7:0 für die USA. Mit diesem Ergebnis konnten wir aber weitaus besser leben, als mit dem Endstand aus dem Italien-Spiel. Immerhin sind die US-Boys amtierender Paralympicssieger, haben über 60 Teams in ihrem Land und sind Vollprofis.

Wir hingegen haben derzeit 4 Mannschaften und arbeiten alle „neben dem Sport“ in Vollzeit. Von daher waren vor allem die 30 Minuten ohne Gegentor (bei gleicher Mannschaftsstärke) ein riesen Erfolg für uns. Leider gerieten wir zu oft in Unterzahl, welche die Amerikaner dann eiskalt ausnutzten.

Zwei Tage später ging es dann gegen Russland. Gegen den amtierenden Paralympics-Zweiten spürte man, dass wir wohl in Gedanken schon beim nächsten Spiel (dem entscheidenden Spiel gegen den Abstieg waren). Wir verteidigten zwar wieder so gut, wie es aus unserer Sicht nur ging, jedoch waren wir körperlich und gedanklich meist einen Schritt langsamer. Somit kam dann auch der Endstand von 0:10 zu Stande. Ich wurde bei dieser Partie zum besten Spieler unseres Teams gewählt, was aber in solch einer Partie, zumindest für mich, keine wirkliche Auszeichnung ist.

Am nächsten Tag bestritten wir dann das für uns wichtigste Spiel dieser WM gegen unsere Nachbarn aus Tschechien. Der Verlierer dieser Partie würde in den B-Pool absteigen und sich komplett neu aufbauen müssen. Da wir dies bereits schon einmal durchgemacht hatten, mussten uns unsere Trainer nicht sonderlich motivieren. Wir wollten unbedingt im A-Pool bleiben! Und so spielten wir dann auch.

Wir verteidigten konzentriert und setzten die Tschechen immer wieder mit starkem Forechecking unter Druck. Der Lohn kam dann im zweiten Drittel, als unser Youngstar Felix Schrader das 1:0 erzielte. Im weiteren Spielverlauf rettete unser Torwart Simon Kunst den Vorsprung mit der einen oder anderen Glanzparade. In den Schlussminuten verteidigten wir nur noch mit allem, was wir hatten und warfen uns in jeden Schuss. Dann ertönte endlich die Schlusssirene. Es war geschafft!!!

Der Klassenerhalt im A-Pool war erreicht. Und das lediglich mit einem einzigen Turniertreffer – einfach unglaublich! Der Jubel kannte nach Abpfiff natürlich keine Grenzen mehr. Wir lagen uns alle in den Armen und manch einer hatte sogar eine Träne im Auge.

Nach dem Spiel wurde natürlich gefeiert. Zuerst in der Kabine und dann in einem amerikanischen Lokal. Zum Glück war der darauffolgende Tag für uns spielfrei.

In der letzten Partie standen wir erneut Italien gegenüber. Dieses Mal wollten wir die Südeuropäer unbedingt schlagen und uns den fünften Platz sichern. Im ersten Drittel waren wir wieder die bessere Mannschaft, wurden aber durch einen schnellen Doppelschlag der Italiener kalt erwischt.

In der zweiten Minute des nächsten Drittels, konnten wir durch einen Treffer von Jörg Wedde auf 1:2 verkürzen. Leider gelang den Italienern kurz vor Drittelende ein erneuter Doppelschlag und wir lagen mit 1:4 im Rückstand. Im letzten Drittel gelang uns trotz einiger Torchancen lediglich der 2:4 Anschlusstreffer.

Somit endete die WM, wie sie auch angefangen hatte: mit einer knappen Niederlage gegen Italien. Und das in einem Spiel, in dem wir erneut die bessere Mannschaft gewesen waren.

Am darauffolgenden Tag standen dann noch die Medaillenvergaben an. Im Spiel um Bronze schlug Russland das Team aus Norwegen mit 2:1 nach Verlängerung und sicherte sich so zum zweiten Mal in Folge den dritten Platz.

Im Finale trafen die USA und Kanada aufeinander. Dieses Spiel war mit über 1.100 Zuschauern restlos ausverkauft und mit einer fantastischen Stimmung während des ganzen Spiels ausgestattet. Die Amerikaner waren von Beginn an das dominante Team, vergaben aber zahlreiche Torchancen. Erst im letzten Drittel erzielten die US-Boys ihre Tore und entschieden das Spiel mit 3:0 für sich.

Fazit zur WM

Alles in allem können wir als Team sehr stolz auf uns sein. Wir haben vor allem gegen den amtierenden Europameister aus Italien überzeugen können und denen in zwei Spielen alles

abverlangt. Als es dann gegen Tschechien darauf ankam, waren wir hochkonzentriert und haben das vorher gesteckte Ziel, den Klassenerhalt, geschafft.

Persönlich muss ich sagen, dass ich vor allem unserem Betreuerstab danken möchte, die alles erdenklich Mögliche getan haben, damit wir unser Ziel erreichen. Vor allem unser 75-jähriger Techniker Erich genießt meinen allerhöchsten Respekt, dass er für jedes technische Problem eine Lösung findet und trotz seines hohen Alters immer noch mit uns unterwegs ist.

Dafür ein großes DANKE an dieser Stelle.

Natürlich auch einen großen Dank an alle, die während der WM mitgefiebert und uns von der Heimat aus die Daumen gedrückt haben.

Ich wünsche euch eine schöne Sommerpause.

Mit sportlichen Grüßen

Frank Rennhack

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